... es ist immer wieder faszinierend: aus was ein Schwarzgurt bestehen muss. Und ob er gewaschen werden muss.
Doch. Das ist echt ein Thema in Foren... soviel Zeit haben die Menschen.
Das kommt gleich nach: wie kann ich meinen Gi schrumpfen?
Man sollte sich lieber die Zeit nehmen, darüber nachzudenken, welche die Qualität das "Material" hat, das diesen Gürtel trägt. Und dann folgerichtig den Kopf schütteln, lächeln, das Forum schließen, sein Zeug packen und ins Dojo gehen.
29 Dezember 2008
17 November 2008
Shu Ha Ri - Oder: wie sollte man Kata lernen verstehen
Einen wunderbaren Artikel, den ich Euch nicht vorenthalten möchte, hat Stephan Yamamoto geschrieben. Er ist nicht absolut vollständig (was bei solch philosophischen Themen sowieso unmöglich ist) aber zeigt kurz und prägnant, um was es eigentlich beim Weg des Lernens einer Kata geht - und durch seine Einfachheit ist der Artikel auch praktisch umsetzbar.
Ladies and Gentleman, Herr Yamamoto hat das Wort:
(1) Wir lernen Kata, als vorgeschriebenen Ablauf, den wir nicht eigenmächtig verändern dürfen. Das ist Kata als Form. Die Entsprechung dazu ist Shu. Die sonst übliche Deutung der Stufe "Shu", man müsse den Meister sklavisch kopieren und dürfe nicht denken (Zen), ist vor diesem Hintergrund schlicht sinnfrei und damit falsch.
Man lernt die Kata vom Ablauf her. Der Ablauf ist deswegen so wichtig, weil er die Grundlagen vermittelt, die die Charakteristika der eigenen Schule ausmachen. Kata ist damit das eigentliche Kihon im Karate. Kata bzw. das immerwährende Üben ist das, was Ki und Natürlichkeit erzeugt.
Ich weiß, es ist gewagt im DKV-Zeitalter von Natürlichkeit im Karate zu sprechen. Aber ein Teil dieser Prinzipien ist die Umsetzung von Inyô (Yinyang). Dies ist z.B. bei Funakoshi nachzulesen. Da Bücher allerdings eher besessen als gelesen werden, entzieht sich diese Tatsache der Kenntniss der meisten Karateka.
(2) Als nächstes werden Teile der Kata im Partnerkumite geübt (Bunkai-Kumite). Dabei findet der Wechsel von Kihon- über Henka- zu Ôyô-Kumite statt. Aus der Kata werden flexible Formen. Das ist Ha. Die wenigsten erreichen diese Stufe überhaupt, sie bleiben bei der Kata als Tanzeinlage mit überhohem Muskeltonus ohne jeden Sinn.
(3) Die dritte Stufe enthält die Anwendung dessen, was man im Henka- und Ôyô-Kumite erlernt und selbst angepasst hat. Und zwar im freien Kampf. Aus der Kata und den Formen ist dann Jutsu geworden, der Ablauf der Kata oder ihr äußerer Ablauf ist nicht mehr wichtig. Das ist die schwerste Stufe und dauert Jahre. Dies entspricht Ri. Die Kata sind dabei die Referenz zu der man immer wieder zurückkehren kann.
Vor diesem Hintergrund wird ersichtlich, daß diese und jene Ausführung einer Kata (SKI, DKV, JKA...) irrelevant sind. Es müssen die Prinzipien gelehrt werden, die in den Kata enthalten sind. Und da hapert es bei den meisten. Für die ist Kata nur eine Koordinationsübung (eine Aussage, die mich dann jedesmal gepflegt erbrechen lässt). Die Techniken in der Kata sind im Endeffekt nur eine austauschbare Illustration dessen was da eigentlich passiert. Dies ist die Bedeutung von "Kata ist Kampf".
Was bedeutet das jetzt für die Übung? Es bedeutet zumindest, daß wir nicht in ehrfürchtige Starre verfallen müssen, um der nächsten Stufe würdig zu sein. Vielmehr sollten wir uns klar werden, daß es unsere Pflicht ist, zur nächsten Stufe weiterzugehen, weg von der bloßen Form (Kata) zur eigenen, anwendbaren und funktionierenden Technik (Jutsu).
Wir können natürlich auch in falscher Bescheidenheit verharren und somit in unserer Entwicklung zum Stillstand kommen.
Ladies and Gentleman, Herr Yamamoto hat das Wort:
(1) Wir lernen Kata, als vorgeschriebenen Ablauf, den wir nicht eigenmächtig verändern dürfen. Das ist Kata als Form. Die Entsprechung dazu ist Shu. Die sonst übliche Deutung der Stufe "Shu", man müsse den Meister sklavisch kopieren und dürfe nicht denken (Zen), ist vor diesem Hintergrund schlicht sinnfrei und damit falsch.
Man lernt die Kata vom Ablauf her. Der Ablauf ist deswegen so wichtig, weil er die Grundlagen vermittelt, die die Charakteristika der eigenen Schule ausmachen. Kata ist damit das eigentliche Kihon im Karate. Kata bzw. das immerwährende Üben ist das, was Ki und Natürlichkeit erzeugt.
Ich weiß, es ist gewagt im DKV-Zeitalter von Natürlichkeit im Karate zu sprechen. Aber ein Teil dieser Prinzipien ist die Umsetzung von Inyô (Yinyang). Dies ist z.B. bei Funakoshi nachzulesen. Da Bücher allerdings eher besessen als gelesen werden, entzieht sich diese Tatsache der Kenntniss der meisten Karateka.
(2) Als nächstes werden Teile der Kata im Partnerkumite geübt (Bunkai-Kumite). Dabei findet der Wechsel von Kihon- über Henka- zu Ôyô-Kumite statt. Aus der Kata werden flexible Formen. Das ist Ha. Die wenigsten erreichen diese Stufe überhaupt, sie bleiben bei der Kata als Tanzeinlage mit überhohem Muskeltonus ohne jeden Sinn.
(3) Die dritte Stufe enthält die Anwendung dessen, was man im Henka- und Ôyô-Kumite erlernt und selbst angepasst hat. Und zwar im freien Kampf. Aus der Kata und den Formen ist dann Jutsu geworden, der Ablauf der Kata oder ihr äußerer Ablauf ist nicht mehr wichtig. Das ist die schwerste Stufe und dauert Jahre. Dies entspricht Ri. Die Kata sind dabei die Referenz zu der man immer wieder zurückkehren kann.
Vor diesem Hintergrund wird ersichtlich, daß diese und jene Ausführung einer Kata (SKI, DKV, JKA...) irrelevant sind. Es müssen die Prinzipien gelehrt werden, die in den Kata enthalten sind. Und da hapert es bei den meisten. Für die ist Kata nur eine Koordinationsübung (eine Aussage, die mich dann jedesmal gepflegt erbrechen lässt). Die Techniken in der Kata sind im Endeffekt nur eine austauschbare Illustration dessen was da eigentlich passiert. Dies ist die Bedeutung von "Kata ist Kampf".
Was bedeutet das jetzt für die Übung? Es bedeutet zumindest, daß wir nicht in ehrfürchtige Starre verfallen müssen, um der nächsten Stufe würdig zu sein. Vielmehr sollten wir uns klar werden, daß es unsere Pflicht ist, zur nächsten Stufe weiterzugehen, weg von der bloßen Form (Kata) zur eigenen, anwendbaren und funktionierenden Technik (Jutsu).
Wir können natürlich auch in falscher Bescheidenheit verharren und somit in unserer Entwicklung zum Stillstand kommen.
11 November 2008
Nishiyama Hidetaka Shihan
... ist verstorben. Ein Nachruf hier.
Es ist die Zeit gekommen, wo die ganzen Pioniere, die in Europa die Kampfkünste Japans eingeführt haben, uns aus Altersgründen verlassen. Hier ist es nicht wichtig zu trauern - viel wichtiger ist es daraus zu lernen: am Ende des Weges sind wir alle gleich. Und bis dahin: nutze die Zeit und freue Dich an dem, was Du hast.
Das ist vielleicht die wichtigste Lektion, die uns die alten Meister hinterlassen.
Es ist die Zeit gekommen, wo die ganzen Pioniere, die in Europa die Kampfkünste Japans eingeführt haben, uns aus Altersgründen verlassen. Hier ist es nicht wichtig zu trauern - viel wichtiger ist es daraus zu lernen: am Ende des Weges sind wir alle gleich. Und bis dahin: nutze die Zeit und freue Dich an dem, was Du hast.
Das ist vielleicht die wichtigste Lektion, die uns die alten Meister hinterlassen.
30 Oktober 2008
Kindergarten - neverending story....

Mami, Mami, der Franz aus der Sternengruppe macht eine Party und ich bin nicht eingeladen. Das ist soooo unfair. Ich finde, es ist doch egal, dass er mich nicht dabei haben will - eigentlich sollten zu dieser Party alle Kinder aller Gruppen eingeladen werden.
Aus Prinzip.
Ist doch egal, ob ich sein Freund bin.
Mir jedenfalls.
Deswegen isses unfair.
Jetzt macht der eine fette Party.
Ohne mich.
Ich will auch nicht sein Freund sein. Weil er immer seine eigenen Dinge macht und nur Leute aus seiner Gruppe einlädt. Naja, er hat mich ja gefragt, aber dafür müsste ich in seiner Gruppe spielen. Aber das mach ich nicht. Aus Prinzip. Und jetzt bin ich beleidigt. Deswegen ist er schlecht und überhaupt ist diese Gruppe jetzt blöde, weil die alles anders machen. Aber eigentlich wollte ich schon. Aber die sind alle blöde. Warum, weiss ich nicht so genau. Weil ich es auch nicht wissen will, ich höre auch nicht zu. Deswegen reden die alle immer nur dummes Zeug. Deswegen spreche ich nicht mit ihnen. Genau.
Die sind alle blöde, nur ich nicht.
28 Oktober 2008
Die richtige Einstellung
"Es spielt keine Rolle, ob man im Karate gut oder schlecht ist. Das einzige was zählt ist, daß man dabei bleibt, jeden Tag. Erst dann – nach den täglichen Trainingsstunden – schmeckt das Bier richtig."
Sensei Sugimori Kichinosuke, 8. Dan JKF
Einen Eindruck vom Sensei habe ich ja mal hier gegeben...
Danke, Stephan, für das Zitat!
Sensei Sugimori Kichinosuke, 8. Dan JKF
Einen Eindruck vom Sensei habe ich ja mal hier gegeben...
Danke, Stephan, für das Zitat!
21 Oktober 2008
Einer der wenigen feinen Beispiele...
...für echte Schwertkunst!
Nachdem Einbetten bei diesem Video nicht so ganz klappt (weiss der Himmel warum), eben als Link...
Nachdem Einbetten bei diesem Video nicht so ganz klappt (weiss der Himmel warum), eben als Link...
05 Oktober 2008
Warum Karateka nicht diskutieren können
Die Überschrift ist natürlich hart - aber in manchen Fällen zutreffend. Es fällt auf: egal in welchem Karate- oder Kampfkunstforum ich die Diskussionen um die verschiedensten, unterhaltsamsten, interessanten, wichtigen und nichtigen Themen beobachte - immer wieder gibt es schlicht und einfach keine Diskussion*.
Weil die Teilnehmer aus den verschiedensten Gründen nicht fähig sind, zu kommunizieren, zu diskutieren. Oder einfach nicht wollen, dass man diskutiert.
Weil sie entweder die Moralität nicht beachten, die einfachsten Diskussionstechniken nicht verstehen und damit nicht anwenden können. Oder wollen. Oder weil Teilnehmer einfach zu wenig wissen und zuviel reden, oder viel wissen und dies nutzen, um sich oder ihr Produkt (Schule, Stil, Veröffentlichungen) unangemessen herauszustellen, kleingeistig und/oder beschränkt sind oder zu emotional agieren. Eine echte, faire, von Respekt geprägte und gerade Diskussion aus Meinung, These, Antithese, Beweis, Gegenbeweis, echter Überzeugungskraft und intelligenter Disputation, ich finde sie leider sehr, sehr selten.**
Und: eine Diskussion hat immer ein Ziel. Das sehe ich eigentlich bei 90% der Threads, ursprünglich als ernsthafte Diskussion gestartet wurden, nach einer Weile nicht mehr. Sie werden kaputtgeredet. Kaputtgeschrien. Durch Besserwisserei und Rechthaberei uninteressant.
In aller Regel sind es einzelne Feststellungen und Wahrheiten, die aufeinander prallen und deren Vertreter nicht fähig sind, aufeinander einzugehen oder andere Meinungen zuzulassen und ihre eigene Meinung eifersüchtig verteidigen. Und andere Diskussionsteilnehmer mehr oder weniger offen geringschätzig abtun. Oder nicht selten Aussagen anderer loben, um dann damit in die nächste Kerbe zu schlagen und ihre Wahrheit mit den Aussagen anderer untermauern (auch wenn es inhaltlich oft nicht zusammenpasst).
Warum das so ist? Oh, das ist ein vielschichtiges Thema. Aber ich denke, viel hängt damit zusammen, dass Karateka Einzelgänger sind und sein müssen. Karate ist eine Kampfkunst, in der der Einzelne von Anfang an darauf getrimmt wird: Du musst an Dir selber arbeiten, Du alleine bist für Deine Technik verantwortlich, was die anderen tun, hat Dich nicht zu interessieren, Du alleine bist derjenige der lernt, man lernt nicht kollektiv, man lernt individuell, Du musst lernen zu überleben, sei es in der Selbstverteidigung, in der Prüfung, im Wettkampf.
Man wird zur Individualität und zur ständigen Eigensicht erzogen. Im Extremfall zur Egozentrie - zu einer Haltung, die die eigene Person als das Zentrum allen Geschehens betrachtet und alle Ereignisse von seinem eigenen Standpunkt und von seiner eigenen Perspektive aus bewertet.
Krass betrachtet: Wenn man in einem Kampf überleben will, darf man sich nicht auf die anderen verlassen, sondern muss selber kämpfen - man selbst wird die eigene Wahrheit.
Nur leider können einige mit dieser eigenen Wahrheit und Egonzentrie (die in Maßen kultiviert durchaus wichtig sind!) nicht differenziert umgehen. Sie wird zu einem eigenständigen Dogma, an dem alles andere zu zerschellen hat, nachdem sich alle anderen zu richten haben. Dies wird nicht nur im Training so praktiziert, sondern auch verbal.
Natürlich: diese Spezies dieser selbst- und diskussionzerstörerischen Egozentriker sind nicht in der Überzahl. Und in aller Regel wird versucht, eine "Diskussion" in einem Forum auf einem für alle Teilnehmer akzeptablen Niveau zu halten. Aber leider zeigt die Erfahrung: es gelingt selten. Denn was man bei Streit von Kindern beobachten kann, gilt auch hier: Wer am lautesten schreit, hat Recht. Und wird am ehesten wahrgenommen. Die stillen, leisen, oftmals Vernünftigen gehen unter.
Dass man das überall im Leben beobachten kann? Ja, sicherlich. Aber sollten Kampfkünstler mit ihrem hochgehaltenen Fanal des gegenseitigen Respektes nicht vorbildhaft darüber hinweg sein?
Sie sind es nicht. Leider.
Und das macht sie so menschlich.
Und deswegen kann man wieder darüber lächeln.
* Unter Diskussion verstehe ich in diesem Fall den Disput mehrerer Diskutanten mit verschiedenen, auch gegenteiligen Ansichten über ein ernsthaftes Thema, nicht die Kuschelthreads, in der man sich gegenseitig recht gibt, auf die Schulter klopft, uninteressante Erlebnisse aufbereitet oder schlicht und einfach nur Blödsinn diskutiert.
**einen typischen Beitrag eines solchen "Diskutanten" habe ich mal in meinem Forenbeitrag karikiert. Einige haben es nicht als Karikatur, sondern als persönliche Kritik verstanden, obwohl ich niemanden erwähne (der getroffene Hund...). Oder als Beweis meiner Unfehlbarkeit. Und sie meinen, ich glaube, ich stehe über allem, auch über dem Karate.
Mit Letzterem haben sie recht.
Würde ich nicht darüberstehen, hätte ich ein sehr sorgenreiches Leben. Und könnte den Horizont, der noch viel mehr bietet als ihre kleine Welt, nicht sehen.
Weil die Teilnehmer aus den verschiedensten Gründen nicht fähig sind, zu kommunizieren, zu diskutieren. Oder einfach nicht wollen, dass man diskutiert.
Weil sie entweder die Moralität nicht beachten, die einfachsten Diskussionstechniken nicht verstehen und damit nicht anwenden können. Oder wollen. Oder weil Teilnehmer einfach zu wenig wissen und zuviel reden, oder viel wissen und dies nutzen, um sich oder ihr Produkt (Schule, Stil, Veröffentlichungen) unangemessen herauszustellen, kleingeistig und/oder beschränkt sind oder zu emotional agieren. Eine echte, faire, von Respekt geprägte und gerade Diskussion aus Meinung, These, Antithese, Beweis, Gegenbeweis, echter Überzeugungskraft und intelligenter Disputation, ich finde sie leider sehr, sehr selten.**
Und: eine Diskussion hat immer ein Ziel. Das sehe ich eigentlich bei 90% der Threads, ursprünglich als ernsthafte Diskussion gestartet wurden, nach einer Weile nicht mehr. Sie werden kaputtgeredet. Kaputtgeschrien. Durch Besserwisserei und Rechthaberei uninteressant.
In aller Regel sind es einzelne Feststellungen und Wahrheiten, die aufeinander prallen und deren Vertreter nicht fähig sind, aufeinander einzugehen oder andere Meinungen zuzulassen und ihre eigene Meinung eifersüchtig verteidigen. Und andere Diskussionsteilnehmer mehr oder weniger offen geringschätzig abtun. Oder nicht selten Aussagen anderer loben, um dann damit in die nächste Kerbe zu schlagen und ihre Wahrheit mit den Aussagen anderer untermauern (auch wenn es inhaltlich oft nicht zusammenpasst).
Warum das so ist? Oh, das ist ein vielschichtiges Thema. Aber ich denke, viel hängt damit zusammen, dass Karateka Einzelgänger sind und sein müssen. Karate ist eine Kampfkunst, in der der Einzelne von Anfang an darauf getrimmt wird: Du musst an Dir selber arbeiten, Du alleine bist für Deine Technik verantwortlich, was die anderen tun, hat Dich nicht zu interessieren, Du alleine bist derjenige der lernt, man lernt nicht kollektiv, man lernt individuell, Du musst lernen zu überleben, sei es in der Selbstverteidigung, in der Prüfung, im Wettkampf.
Man wird zur Individualität und zur ständigen Eigensicht erzogen. Im Extremfall zur Egozentrie - zu einer Haltung, die die eigene Person als das Zentrum allen Geschehens betrachtet und alle Ereignisse von seinem eigenen Standpunkt und von seiner eigenen Perspektive aus bewertet.
Krass betrachtet: Wenn man in einem Kampf überleben will, darf man sich nicht auf die anderen verlassen, sondern muss selber kämpfen - man selbst wird die eigene Wahrheit.
Nur leider können einige mit dieser eigenen Wahrheit und Egonzentrie (die in Maßen kultiviert durchaus wichtig sind!) nicht differenziert umgehen. Sie wird zu einem eigenständigen Dogma, an dem alles andere zu zerschellen hat, nachdem sich alle anderen zu richten haben. Dies wird nicht nur im Training so praktiziert, sondern auch verbal.
Natürlich: diese Spezies dieser selbst- und diskussionzerstörerischen Egozentriker sind nicht in der Überzahl. Und in aller Regel wird versucht, eine "Diskussion" in einem Forum auf einem für alle Teilnehmer akzeptablen Niveau zu halten. Aber leider zeigt die Erfahrung: es gelingt selten. Denn was man bei Streit von Kindern beobachten kann, gilt auch hier: Wer am lautesten schreit, hat Recht. Und wird am ehesten wahrgenommen. Die stillen, leisen, oftmals Vernünftigen gehen unter.
Dass man das überall im Leben beobachten kann? Ja, sicherlich. Aber sollten Kampfkünstler mit ihrem hochgehaltenen Fanal des gegenseitigen Respektes nicht vorbildhaft darüber hinweg sein?
Sie sind es nicht. Leider.
Und das macht sie so menschlich.
Und deswegen kann man wieder darüber lächeln.
* Unter Diskussion verstehe ich in diesem Fall den Disput mehrerer Diskutanten mit verschiedenen, auch gegenteiligen Ansichten über ein ernsthaftes Thema, nicht die Kuschelthreads, in der man sich gegenseitig recht gibt, auf die Schulter klopft, uninteressante Erlebnisse aufbereitet oder schlicht und einfach nur Blödsinn diskutiert.
**einen typischen Beitrag eines solchen "Diskutanten" habe ich mal in meinem Forenbeitrag karikiert. Einige haben es nicht als Karikatur, sondern als persönliche Kritik verstanden, obwohl ich niemanden erwähne (der getroffene Hund...). Oder als Beweis meiner Unfehlbarkeit. Und sie meinen, ich glaube, ich stehe über allem, auch über dem Karate.
Mit Letzterem haben sie recht.
Würde ich nicht darüberstehen, hätte ich ein sehr sorgenreiches Leben. Und könnte den Horizont, der noch viel mehr bietet als ihre kleine Welt, nicht sehen.
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